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Brief von Dr. Sailer an einen Aussteiger

Hier finden Sie ein Schreiben von Dr. Christian Sailer (UL-Anwalt) an den Sektenaussteiger Michael Hitziger vom 29.10.2003. Dieser Brief wurde im Einverständnis mit Michael Hitziger veröffentlicht. Jeder Leser kann sich bei der Lektüre selbst seine Meinung bilden:

 

Dr. Christian Sailer, Max-Braun-Str.2, 97828 Marktheidenfeld-Altfeld

 

Herrn
Michael Hitziger
Fischbachweg 5
97264 Helmstadt

 

29. Oktober 2003

 

Grüß Gott, Michael Hitziger,

 

über vier Monate hast Du gebraucht, um meinen Brief vom 15.4.2003 zu beantworten, mit dem ich Dich um die Beachtung einiger Anstandsregeln bat, die kultivierten Zeitgenossen eigentlich selbstverständlich sind - z.B., dass man vertrauliche Dinge, die man in einer Versammlung von Freunden besprach, nicht in die Öffentlichkeit zerrt.

 

Inzwischen musste ich leider feststellen, dass Du auf dem Weg bist, all das,woran Du früher geglaubt hast, in der Öffentlichkeit mies zu machen und die Frau, die Dir lange Vorbild war, in den Schmutz zu ziehen. Du verrätst damit nicht nur Deine ehemaligen Freunde, die Du ziemlich übel verleumdest,sondern auch Dich selbst. Gegenwärtig kommst Du Dir vielleicht wichtig vor, weil ein bisschen Scheinwerferlicht auf Dich fällt; doch wenn die Lampen wieder ausgehen, wird Dir Deine erbärmliche Rolle eines Tages bewusst
werden.

 

Bis dahin möchte ich allerdings die Unwahrheiten, die Du jetzt verbreitest, nicht auf sich beruhen lassen, sondern Dich auf einiges aufmerksam machen, was Du offenbar vergessen hast:

 

1. In Deinem Brief ist immer wieder von "unendlich hohen Idealen", "Einsatzfreude und Einsatzbereitschaft" die Rede und von der "Liebe für den Christus der Bergpredigt" und "den höchsten Idealen der Bergpredigt des Jesus von Nazareth", aufgrund derer Du und andere "auf das Friedensreich der Prophetin gekommen" seien. Bist Du Dir bei dieser Selbsteinschätzung wirklich so sicher? Wenn sie richtig wäre, würdest Du Dich jetzt wohl anders verhalten: Es mag sein, dass Du dennoch Deiner Wege gehen würdest, aber Du würdest mit Sicherheit nicht Dein eigenes Versagen damit kaschieren, dass Du Anderen die Schuld zuschiebst.

 

2. Gegenüber Gabriele wirkt derartiges geradezu peinlich: Sie kennt Dich gar nicht, denn Du hast nie in ihrer Nähe oder gar für sie und ihr Friedensreich gearbeitet, wie Du behauptest. Du bist in der Klinik untergekommen, weil Du wo anders keine Arbeit gefunden hast. Du magst zeitweise bis zu 60 Stunden gearbeitet haben, aber nicht deshalb, weil man das von Dir verlangte, sondern weil Du überdurchschnittlich langsam warst. Und als Du wegen Deiner Arbeitszeit zu jammern anfingst, hat man Dir ausdrücklich angeboten, Deine Arbeitszeit auf 40 Stunden zu begrenzen.

 

Inzwischen habe ich erfahren, dass Du auch während Deines Beamtendaseins zu erheblicher Kritik von Kollegen Anlass gabst. In Deinem' Brief an das Gericht bejammerst Du Dich erneut, indem Du von den für Dich so "schrecklichen und leidvollen Erlebnissen im Friedensreich von Gabriele Wittek" schreibst. Was meinst Du damit? Könnte es sein, dass Du eher zum Opfer Deines Selbstmitleids geworden bist, vor allem wenn Du Dich bei jenen einreihen willst, die angeblich "aus Liebe zu Christus" alles mögliche aufgegeben haben, einschließlich "ihrer Ehepartner und ihrer Kinder". Wie verhielt es sich da eigentlich mit Dir? Bist Du nicht in Wirklichkeit Deiner Frau und Deinen Kindern davongelaufen und hast sie jahrelang unterhaltsmäßig vernachlässigt? Als Du hier warst, hast Du Dir dann eine zweite Frau genommen - "aus Liebe zu Christus"? Wenn Du ehrlich wärst, würdest Du Dir eingestehen, dass Du kein Heiliger warst, sondern ein simpler Ehebrecher.

 

3. Dass solche Leute im Friedensreich nicht hochgelobt werden, spricht für Gabriele und nicht gegen sie. Sie hat im übrigen niemanden hinausgeworfen und keine "Säuberungen" durchgeführt. Dieses Vokabular solltest Du Dir sparen.

 

Sie hat auch niemanden mit irgendwelchen Versprechungen angelockt, auch in den von ihr übermittelten Offenbarungen war dies nicht der Fall: Dass wir in einer Endzeitsituation leben, pfeifen inzwischen die Spatzen von den Dächern. Dass unter den Dächern in Michelrieth oder Hettstadt alle deshalb gerettet sind, weil sie an diesem Ort sind, hat noch niemand behauptet. Wenn der Herr von den "Seinen" spricht, dann meint er nicht den örtlichen, sondern den inneren Bezug zum Friedensreich.

 

4. Wenn ich ein so prominenter "Aussteiger" wie Du wäre, dann müsste ich mir wohl auch wünschen, dass es sich bei der Frau, die mir einst Vorbild war und die ich jetzt verrate, niemals "um eine echte Prophetin handeln kann". Merkst Du nicht, welche Verdrängungs- bzw. Rechtfertigungsmechanismen hier am Werk sind? Niemand hat je von Dir verlangt, dass Du an die Prophetie glaubst; niemand hat verlangt, dass Du hierher kommst; jeder, der diesen Schritt tat, wurde sogar ausdrücklich gebeten, sich gründlich zu prüfen. Hast Du es damals nicht getan, um Dich jetzt so künstlich aufzuplustern und Gabriele "einer gründlichen Prüfung auf ihre Echtheit zu unterziehen"? Noch dazu, um in Erfüllung dieser Aufgabe "in den Himmel zu kommen", wie Du schreibst. Donnerwetter - wie haben wir Dich und Deine Berufung nur solange so unterschätzen können!?

 

5. Da ist es natürlich auch klar, dass Du nebenbei auch einem Anwalt "seine Grenzen und die des guten Geschmacks" endlich aufzeigst, indem Du den Staatsanwalt einschaltest. Hoffentlich läßt mich der Staatsanwalt nicht gleich verhaften. (Anmerkung des Webmasters: Michael Hitziger sah sich durch Christian Sailer im Internet öffentlich diffamiert.)


Vermutlich schreibst Du nach diesem Brief nicht mehr "an einen Prozessbeobachter", dass es Dir schwer falle, mich "nicht zu mögen". Du scheinst frühere Freunde sogar noch mit Komplimenten zu verraten. Vielleicht kannst Du aufgrund Deiner früheren Beziehungen zu mir, die schmerzhaften Wahrheiten, die ich aufgrund Deines Verhaltens leider aussprechen muss, in einer ruhigen Stunde überdenken. Dann könntest Du zwischen den Zeilen auch spüren, dass dieser Brief nicht von Feindschaft und Hass geprägt ist (wie er leider in Deinen öffentlichen Äußerungen über uns zum Ausdruck kommt), sondern von Bedauern - einem Bedauern, das die Möglichkeit offenhält, doch noch ein Gespräch mit Dir zu führen. Falls Du dies wünschst, dann lasse es mich bitte wissen.

 

Mit Gruß
Christian Sailer

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