Blick zurück
Der Michelriether Thomas Müller, 1. Vorsitzender der Bürgerinitiative "bürger beobachten sekten e.V.", im Rückblick auf den Anfang der 90er Jahre:
"Damals machte ich die schrecklichste Zeit meines
Lebens mit. Das UL überhäufte mich mit Klagen. Mein Anwalt meinte zu mir: 'Herr
Müller, ich weiß bei der Flut von Klagen gegen Sie nicht mehr, was dabei
herauskommt. Die Prozesse können Sie Haus und Hof kosten.' Mein Chef hatte mich
beurlaubt. Er wisse nicht, ob die Firma das verkrafte. Was war vorgefallen? Im
Betrieb liefen meterlange Faxe und unzählige Briefe ein, in denen ich als
Verbrecher und Krimineller dargestellt wurde. Es hieß in den Schriftstücken, ich
hätte Lagepläne der Sektenansiedlungen gezeichnet und wolle wie die Brandstifter
von Mölln gegen die Sekte vorgehen.
In der Silvesternacht 1992 hat das UL bei der Polizei Objektschutz für die Klinik in Michelrieth beantragt. Man fühle sich von Gegnern bedroht und könne nicht sicher sein, daß nicht etwas Ähnliches wie in Mölln passiere. Noch in der Nacht haben ich und andere Mitglieder unserer Bürgerinitiative Besuch von der Polizei bekommen. Wir sind gewarnt worden, gegen Einrichtungen des UL zerstörerisch tätig zu werden. Ich frage mich: Haben sich die Bosse im UL wirklich vorgestellt, daß ich mit wildgewordenen Horden bei ihnen vorbeikomme und alles kurz und klein schlage? Hat die Aktion nicht vielmehr dazu gedient, den Anhängern wieder eine Bedrohung von außen vorzugaukeln? Wieviel Geld kostet es den Steuerzahler, eine solche Polizeiaktion zu bezahlen?
Dr. Manfred D., ein leitender UL-Arzt aus der Michelriether Klinik, ist sich nicht zu schade gewesen, bei meinem Chef anzurufen und mich schlechtzumachen. Irgendwann saß mir mein Chef entnervt gegenüber und sagte, ich solle meinen restlichen Urlaub nehmen und diese Angelegenheiten klären. 'Kommen Sie erst dann wieder in den Betrieb, wenn das alles bereinigt ist.' Ich habe große Angst gehabt, meinen Arbeitsplaz zu verlieren. Mein Chef hat mir in diesem Zusammenhang nämlich auch noch einen anonymen Brief an die Personalabteilung vorgelegt. Darin hieß es:
'... leider muß Ihnen folgende Information anonym zur Kenntnis und zur Beachtung gebracht werden. Ihr Mitarbeiter Thomas Müller wurde im Jahre 1987 (März) von der Fa. N. N. deshalb fristlos entlassen, weil er und andere Mitarbeiter über längere Zeit die Fa. N. N. durch Diebstähle und Unterschlagungen in nicht unerheblichem Maße geschädigt haben. Strafrechtliche Schritte wurde aus firmeninternen Gründen nicht eingeleitet.'
Zur gleichen Zeit stand auch meine Frau in ihrem Betrieb kurz vor der Entlassung. Und das, obwohl sie dort über zehn Jahre loyal gearbeitet hatte. Dazu muß man wissen: Zwischen dem UL und der Firma meiner Frau haben Geschäftsbeziehungen bestanden. Und so übte das UL Druck auf das Unternehmen aus, meine Frau zu entlassen. Der Vorgesetzte meiner Frau sagte: 'Frau Müller, das UL als Kunde ist uns wichtiger als Sie.' Und meine Frau ist dann zu mir gekommen und hat gemeint: 'Wenn ich meine Arbeit wegen Deines UL-Engagements verliere, dann ist unsere Ehe kaputt. Ich habe dir immer gesagt, laß die Finger weg vom UL.' Gott sei Dank ist es nicht so weit gekommen. Die Fürsprache des damaligen Aufsichtsratsvorsitzenden hat meiner Frau den Arbeitsplatz gerettet - und damit vielleicht auch unsere Ehe.
Auch die Sache mit meiner Firma hat sich eingerenkt. Mein Chef hält zu mir. Er weiß in der Zwischenzeit, um was es hier geht und mit welchen Mitteln garbeitet wird. Aber damals hat er ja nichts gewußt, und ich mußte erst meine Unschuld beweisen."