Fragmente einer Aussteigerin (6. März 2004)
Zur Person
Liebe Leserinnen,
liebe Leser,
ich heiße Gudrun Köchling-Hollederer und bin aus dem "Universellen Leben"/UL ausgestiegen.
Meine Eindrücke, Erfahrungen und Erlebnisse, die ich im UL und nach dem Ausstieg mit dem UL machen durfte, aber auch machen mußte, will ich an die Öffentlichkeit bringen.
Ich will über das UL aufklären und bitte die Leserinnen und Leser, sich selbst ein eigenes Bild über das UL zu verschaffen, denn auch meine Eindrücke, Erfahrungen und Erlebnisse sind natürlich subjektiv.
Wichtig ist für mich, daß Aussteiger und Menschen im UL, die aussteigen wollen, ihre Angst verlieren und das Gesetz des Schweigens durchbrechen, um sich selbst zu befreien.
Nachfolgend eine kurze Chronologie meines Lebens im und mit dem UL:
1982/1983
Meine ersten Kontakte zum damaligen "Heimholungswerk" hatte ich
über meine Schwester Uta Rebien.
Ich hörte von Offenbarungen von Gabriele Wittek, die mir, einer anthroposophisch engagierten Frau etwas mitteilten. Von der damaligen Natürlichkeit von Frau Wittek war ich angenehm berührt.
Offene Gespräche mit Frau Wittek und ihren damaligen Begleiter Karl Köbler vermittelten Menschlichkeit, Ehrlichkeit und ein inniges Gefühl, miteinander zu leben.
Ich war angetan von der Idee, dem Leben einen Sinn im "Inneren" zu geben, nicht auf den eigenen Gewinn zu schauen.
Den Äußerungen von Frau Wittek vertrauend war ich bereit, in einer Gemeinschaft mitzuarbeiten, die - nach den Worten von Frau Wittek - für den Nächsten eintritt. Ich wollte Menschlichkeit leben und in ein "Tun" umsetzen.
Damit folgte ich meiner Überzeugung, daß jeder Mensch eine Aufgabe hat, die ihn auch zum Ziel in diesem Leben führt.
1983/1984
Mein Einstieg begann mit dem "Bienen", dem unentgeltlichen
Arbeiten im UL.
Es folgte die Mitarbeit am Aufbau des Restaurant´s "Mal was anderes", Würzburg.
1984/1985
Mit dem Einstieg von Harald Dohle erfolgte Schritt für Schritt
der Umbau des "Heimholungswerkes" zum "Universellen Leben" und damit wurde aus
der Gemeinschaft, die für den nächsten Eintritt, ein "wirtschaftliches
Imperium".
Harald Dohle verdrängte mit Karl Köbler den bisherigen Begleiter und Berater von Frau Wittek und nahm dessen Platz neben ihr ein. Damit ging die Menschlichkeit verloren. Es entstand immer mehr ein "oben" und ein "unten", was den ursprünglichen Gedanken im "Heimholungswerk" widersprach. Kritik wurde jedoch nicht gewünscht und auch nicht zugelassen.
Es bildete sich immer mehr "Kopf", der nicht nur über dem "Untergebenen" stand, sondern sich zusehendst verselbständigte und sich von den "Untergebenen" entfernte.
Dies mißfiel mir. Ich war jedoch nicht stark genug, mich der Gewalt eines Harald Dohle entgegen zu stellen.
1986/1987
Um meine Ziele und meine Vorstellungen - ohne das UL - besser
umsetzen zu können, arbeitete ich in einer Dorfgemeinschaft in Südafrika für
körperlich und geistig behinderte Kinder. Wir bauten gemeinsam mit einigen
Ärzten eine sog. "Care-Station" auf.
Wieder in Deutschland angekommen, fielen mir "Fehlentwicklungen" im UL auf, weswegen ich mich mit meiner Schwester Uta Rebien häufig auseinandersetzte. Meine Schwester versuchte mich damit zu beruhigen, daß ich nach den Worten der "oberen" keinen Einblick in die "geistige Welt" hätte, aus der "alles" komme.
1987/1989
Ich "biente" wieder in verschiedenen Betrieben des UL.
1989/1990
Kurz vor seinem Tod hatte mein Vater erste Beteiligungen an
Firmen im UL unterschrieben, aufgrund der das erste Geld in das UL floß.
1990/1995
In dieser Zeit wurden dem UL Geld- und Sachwerte in
zweistelliger Millionenhöhe zur Verfügung gestellt.
Warenbestände aus dem Firmenvermögen meines Vaters, welches meine Schwester und ich geerbt hatten, Geschäfts- und Büroeinrichtungen und hohe Barbeträge flossen in das UL. Daneben erfolgten weitere Beteiligungen an Firmen des UL. Ein Bauernhof in der Nähe von Wertheim wurde gekauft, umgebaut und bewirtschaftet.
Bis 1995 wurden hinsichtlich der Beteiligungen mir immer wieder neue Vertragsentwürfe und neue Verträge vorgelegt, die von mir unterschrieben werden mußten.
Von den führenden Beratern von Frau Wittek war ich zu den Unterschriften veranlaßt worden, da diese dem Willen von Frau Wittek entsprächen und für das Gemeinwohl dringend notwendig seien.
Ich vertraute der Lehre von Frau Wittek und dem Grundsatz "Geist vor Geld".
Zwischenzeitlich habe ich bezogen auf meine Situation feststellen müssen, daß nicht die Grundsätze "Geist vor Geld", "Gemeinnutz vor Eigennutz" gelten, sondern im strikten Gegensatz dazu "Geld vor Geist" und "Eigennutz vor Gemeinnutz" das Leben der Führungsebene im UL bestimmen.
Es wurde mir deutlich vor Augen geführt, daß von den "oberen" nicht das gelebt wird, was nach der Lehre vorgelebt werden sollte.
Es gibt kein Schauen auf den Nächsten und viele Geschwister, die viel, sogar ihr Letztes im Vertrauen auf die Lehre des UL, die Aussagen von Frau Wittek und den Anweisungen der Führungsebene um Harald Dohle gegeben haben, stehen jetzt mit leeren Händen da. In vielen Fällen müssen diese anständigen Geschwister nach einer langen Zeit der hingebungsvollen Einbringung in das UL feststellen, daß die Führungsebene um Harald Dohle und um Frau Wittek keiner anständigen, sondern einer unanständigen Gesinnung folgt.
Ist es mit der Lehre des UL, mit den Offenbarungen von Frau Wittek und den Anweisungen der Führungsebene vereinbar, wenn Geschwister jetzt wirtschaftlich zerstört und geistig verlassen wie leere Hülsen leben müssen?
Ist es richtig, wenn gutgehende Betriebe über die Gabriele-Stiftung an die Führungsebene im UL gebunden und andere Betriebe fallen gelassen werden?
Darf es sein, daß eine "Stiftung", für die viele Geschwister durchaus hohe Beträge "gespendet" haben, nicht gemeinnützig ist und jährlich Steuern in Millionenhöhe zahlen muß?
Wo sind die Nachweise für die Gelder, die im guten Glauben und im Vertrauen auf die Lehre, auf Frau Wittek und auf die Anweisungen der Führungsebene im UL von den Geschwistern eingebracht wurden, hingeflossen?
Warum lebt Frau Wittek wie eine Potentatin an verschiedenen Orten, u. a. streng abgeschirmt im Luxus auf Gut Greußenheim?
Diese Fragen und viele weitere Gedanken bewegten mich 2001 zum Austritt
aus dem UL.
Seit längerem wird nun mit den "oberen" und deren Vertreter verhandelt, daß zumindest ein Bruchteil des Vermögens, welches von meiner Schwester und mir in Form von Sachwerten, Bargeldern und Beteiligungen in das UL geflossen ist, wieder zurückzuerhalten.
Ich werde hingehalten, vertröstet und mit Vorwürfen konfrontiert, die im Ergebnis darauf abzielen, den Betrag des Vermögens, den ich beanspruche, zu reduzieren und eine Auszahlung zu verzögern.
Ich mußte mir anhören, daß mein Geld - auch das meiner Schwester - "keinen Segen" bringt. Es ist scheinbar jedoch "segensreich" genug, um es nicht zurückzugeben - auch wenn es sich nur um einen Bruchteil des ursprünglich Eingebrachten handelt.
Ich habe mich mit Schreiben vom 24.02.2004 auch selbst an Frau Wittek gewandt, um auch ihr persönlich in Ihrer Verantwortung darzulegen, daß ich ein weiteres Vertrösten nicht hinnehme.
Dieses Schreiben wurde laut einem Schreiben der CB Beteiligungsgesellschaft der Mitarbeiter GmbH vom 01.03.2004 nicht an Frau Wittek weitergegeben.
Hat die CB Beteiligungsgesellschaft der Mitarbeiter GmbH bereits die Macht zu entscheiden, was Frau Wittek lesen darf?
Die in diesem Schreiben gegen meine Person erhobenen Vorwürfe treffen nicht zu.
Ich werde nicht aufhören, über meine subjektiven Eindrücke, Erfahrungen und Erlebnisse im UL und nach meinem Ausstieg aus dem UL zu berichten, um die Menschen, die vom UL betroffen sind, aufzuklären.