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Die miesen Tricks der Öko-Sekte

Den folgenden Artikel, entnommen aus AMICA, Heft 10/97,  geben wir hier wieder mit freundlicher Genehmigung des Autors:

 

"Universelles Leben", eine der gefährlichsten Sekten in Deutschland, lebt vom Handel mit Bio-Produkten. Markenname: "Gut zum Leben". Wer diese Ware kauft, finanziert eine totalitäre, menschenverachtende Organisation. Und: Die Qualitätskontrolle der Lebensmittel ist zweifelhaft.

 

von Werner Paczian


Wochenmarkt in Würzburg: Drei Bio-Kohlrabi wünscht die Kundin. Ein alltäglicher Einkauf. Scheinbar. Denn mit dem Geld der ahnungslosen Käuferin verdient sich nicht ein harmloser Händler seinen Unterhalt: Es wandert in die Kassen einer gefährlichen Sekte. Hinter dem Gemüsestand mit seinem angeblich so gesunden Blumenkohl, dem Brokkoli und den Zwiebeln steckt nämlich eine Glaubensgemeinschaft namens "Universelles Leben"(UL).

 

"Urchristen" nennen sich die Anhänger dieser Sekte, "Gut zum Leben" heißen deren Firmen, "Gut zum Leben" steht auch auf den Produkten. Und die werden nicht nur in Würzburg unters Volk gebracht, wo das UL seinen Hauptsitz hat, sondern sie sind in ganz Süddeutschland erhältlich - auf Dutzenden von Märkten, vom berühmten Münchener Viktualienmarkt bis zur Kleinmarkthalle in Frankfurt am Main, ferner im von der Sekte betriebenen Einkaufszentrum und auf ihren Bauernhöfen, oder - ganz zeitgemäß - per Katalog über einen internationalen Versandhandel. Inzwischen ist der erste "Gut zum Leben"-Stand auch nördlich der Main-Linie, in Köln, geortet worden.

 

Wer Obst, Gemüse, Backwaren oder Säfte mit dem "Gut zum Leben"-Siegel kauft, finanziert eine Organisation mit bundesweit rund 40 000, weltweit über 100 000 Anhängern. Eine Truppe, die man, so bestätigte der Bayerische Verwaltungsgerichtshof bereits 1993, "totalitär" nennen darf. Ein Jahr später befand dasselbe Gericht, von der Sekte verbreitete "Verschwörungs-, Rufmord- und Mordtheorien" können bei ihren Anhängern "tatsächlich zu einer Art Verfolgungshysterie" führen.

 

In pseudochristlichem Kauderwelsch warnt das "Universelle Leben" vor einer "Endzeit", die der Erde alle möglichen Katastrophen bescheren würde. UL-Anhänger hätten freilich die Chance, all die Erdbeben, Seuchen und Sintfluten zu überleben, und könnten dann endlich ihr "Tausendjähriges Friedensreich" gründen. Mit Biohandel ins Paradies.

 

Bis es soweit ist, geht´s mitunter ziemlich höllisch zu. Weil ökologischer Landbau auf Gifteinsatz verzichtet, müssen viele fleißige Hände ran, etwa um Unkraut zu rupfen. Nicht selten für Gotteslohn; "bienen" heißt die ehrenamtliche Schufterei für die "Christusbetriebe". "Christusarbeiter", so das UL-Gebot, sollten "keine Schätze sammeln, die die Motten und der Rost verzehren." Am besten sollten die "Urchristen" gleich ihr "Vermögen dem Gemeinwohl zur Verfügung stellen"-

 

"Ich habe nirgendwo so oft das Wort Geld gehört wie in dieser Sekte", sagt Volker Kempf, ein Aussteiger. Ein "unmenschliches, raffgieriges Unterdrückungssystem", urteilt Wolfgang Behnk, Sektenbeauftragter der Evangelischen Kirche in Bayern. Biokost vom Sklavenhalter.

 

Wer seine Leute ausbeutet, kann es sich leisten, Produkte auch auf entlegenen Märkten anzubieten. Die geringen Personalausgaben gleichen die hohen Fahrtkosten aus. Mittlerweile taxieren Insider den Umsatz, der mit dem Label "Gut zum Leben" erzielt wird, auf eine zweistellige Millionensumme.

 

Elfriede ist eine der "UL-Schwestern", die auf ihrem Hof "Gut zum Leben"- Ware produziert. Sie streicht gerade über eine kräftige Gurke. Das Ding ist so perfekt gewachsen, als hätte der liebe Gott seine Finger tatsächlich im Spiel gehabt. Das Gemüse stammt aus der Gärtnerei Hettstadt, einem "Christusbetrieb", geleitet von Elfriede und Ehemann August. Der Laden läuft offenbar ganz gut. "Wir müssen zufrieden sein und demütig", sagt Elfriede.

 

Wie es sich unter solch demütigen Menschen arbeiten läßt, weiß Ursula Bahr zu berichten, eine frühere Angestellte der Gärtnerei: "Ich mußte den ganzen Tag schuften und wurde rund um die Uhr kontrolliert und gemaßregelt." Als ihre jüngste Tochter hohes Fieber gehabt habe, erzählt sie, sei ihr verboten worden, tagsüber nach ihrem Kind zu sehen. "Elfriede meinte, ich müßte arbeiten. Das Mädchen sei durch die innere Heilkraft beschützt."

 

Und es kam noch schlimmer für Ursula Bahr. Einer der "Urchristen" habe ihre andere Tochter so stark geschlagen und getreten, daß durch das Geschrei der Nachbarbauer alarmiert worden sei und er die Polizei gerufen habe. Die Gewalttat sei heruntergespielt worden. "Vergeude deine Arbeitszeit nicht mit unnützen Gesprächen", regelt die Betriebsordnung des "Universellen Lebens".

 

Die Herrscherin über dieses Greuel-Imperium heißt Gabriele Wittek. Die heute 64jährige mischte zunächst bei einem "Heimholungswerk Jesu Christi" mit, seit Mitte der 80er Jahre heißt ihr Verein "Universelles Leben". Aus einem kleinen Häuflein verirrter Schäfchen machte Wittek im Laufe der Jahre mit ihren rund 80 "Geist Christi"-Kirchen eine der bedeutendsten Sekten in Deutschland. Und sie schuf ein weitverzweigtes Wirtschaftsunternehmen, das nicht nur mit Biohandel, sondern auch mit Heimen, Kliniken, Arztpraxen, Geschäften, Handwerksbetrieben, einem Kindergarten, einer Druckerei, einer Siedlung namens "Das neue Jerusalem" sowie einer Schule Geschäfte macht.

 

Über 100 Millionen Mark Umsatz, so Schätzungen, erziele das schwer durchschaubare Firmengeflecht - im Würzburger Telefonbuch rangiert "Universelles Leben e.V." unter "Wirtschafts- und Berufsverbände".

 

"Für mich ist die religiöse Seite, die das "Universelle Leben" immer hervorkehrt, nichts anderes als eine Theaterkulisse, hinter der von einigen Drahtziehern um Geld und Macht gepokert wird", urteilt Hans-Walter Jungen, Chef der Bürgerinitiative gegen die UL in Hettstadt und Verfasser eines Buches über die Sekte.

 

Die UL-Gläubigen werden mit christlichem Popanz - teils absurd, teils gefährlich - auf Linie gehalten. So ist Sektenchefin Wittek für ihre Schäfchen "die Prophetin", "das Sprachrohr Gottes", kurzum "das absolute Gesetz". Alle, die das anders sehen, die "Antichristen", können es schnell mit dem sekteneigenen Wachdienst zu tun gekommen. Die "Gewappneten" heißen die Rambos, ausgerüstet mit schnellen Autos, Schäferhunden, Funkgeräten - und vermutlich noch mehr.

 

Solche Methoden passen zu einem Unternehmen, bei dem vieles im dunkeln liegt und das vom harmlosen Schein profitiert. Das Label "Gut zum Leben" beispielsweise ist, auch wenn es so aussieht, keineswegs ein offizielles Gütesiegel, sondern schlicht ein Markenzeichen wie "Meister Proper" oder "Haribo".

 

Daß es sich bei den angepriesenen Bio-Produkten tatsächlich um ökologisch einwandfreie Ware handelt, ist lediglich eine Behauptung - an der gezweifelt werden kann. "Bioland", der bundesweit mit Abstand größte ökologische Anbauverband, ging zu den Sektenbauern auf Distanz. Gehörte der erste "Gut zum Leben"- Betrieb noch zu "Bioland", mußte sich die Sekte bald einen anderen Verband suchen. Den "Bioland"- Machern war es ein Dorn im Auge, daß "Gut zum Leben"- Ware mehrfach regelwidrig deklariert wurde. Um einem Rausschmiß durch "Bioland" zuvorzukommen, kündigte die Sekte von sich aus die Mitgliedschaft.

 

Unterschlupf bot die "ANOG" ("Arbeitsgemeinschaft für naturnahen Obst-, Gemüse und Feldfruchtanbau"), ein ökologischer Anbauverband wie "Bioland" oder "Demeter". Doch mittlerweile gilt die "ANOG" unter Ökobauern als "Lumpensammler". "Wer woanders rausfliegt, landet bei der "ANOG", weil die händeringend Beitragszahler sucht", sagt ein Insider.

 

Heute ist der kurze Draht der in Bonn ansässigen "ANOG" zur Würzburger Sekte augenscheinlich. Auf dem Tisch im "ANOG"- Besucherraum liegen Werbebroschüren von "Gut zum Leben". "Ohne deren Beiträge wäre die "ANOG" längst pleite. Die Sekte zahlt fast die Hälfte des Jahresetats", berichtet ein weiterer Insider. Inzwischen würden die ULer geschickt jede Versammlung dominieren. Das "Universelle Leben" scheint es geschafft zu haben: Erstmals unterwanderte eine Sekte einen Bio-Anbauverband.

 

Eine Schlüsselrolle spielt dabei Georg Thalhammer. Der Mann war Geschäftsführer in mehreren Sektenfirmen. Noch heute leitet er einen "Christusbetrieb", den "Kräuterhof Höhefeld" in Baden-Württemberg, der zur "ANOG" gehört. Inzwischen hat der Sekten-Zugriff auf den Anbauverband auch formale Züge angenommen: Thalhammer sitzt im "ANOG"- Bundesvorstand.

 

Bei solchen Verflechtungen sind Mauscheleien nicht ausgeschlossen, besonders was die ökologische Qualitätskontrolle der Lebensmittel anbelangt. So hat bei der "ANOG" auch ein Zweigbüro jener "unabhängigen Kontrollstelle" seinen Sitz, die über die Reinheit der Produkte wacht. Glaubt man der Sektenpropaganda, werden die "Gut zum Leben"- Waren noch von einer zweiten Stelle kontrolliert, von einem "Diagnostischen Zentrum" in Michelrieth. Was die Verbraucher nicht erfahren: Dieses kleine bayerische Dorf ist rund zur Hälfte von UL-Jüngern bevölkert, das genannte Labor ein lupenreiner Sektenbetrieb. Öko-Standards selbstgemacht.

 

Wie sagt doch ein UL-Manager vor Zeugen: "Wenn´s der Sache dient, dürfen wir lügen".