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B 26n: UL-Anwälte warnen vor zweitem Stuttgart 21

MAIN-POST vom 09. Dezember 2010

 
„Christusfreunde“ auf Gut Greußenheim wollen ihr „heiliges Land“ vor der Zerstörung durch die Autobahn-Westumgehung bewahren

 

Von unserem Redaktionsmitglied Tilman Toepfer

 

GREUSSENHEIM Die Bewohner von Gut Greußenheim (Lkr. Würzburg) wollen keine Autobahn vor der Haustüre. Die „Christusfreunde“ der Gemeinschaft Universelles Leben (UL) werden deshalb das Projekt B 26n – offiziell eine autobahnähnliche Bundesstraße – mit allen rechtlichen Mitteln verhindern, kündigen ihre Anwälte Christian Sailer und Gert-Joachim Hetzel an. Und denken schon über andere Formen des Widerstands nach, ist dem Schreiben an Innenministerium, die Regierung von Unterfranken und das Staatliche Bauamt zu entnehmen.
Die UL-Juristen halten das Raumordnungsverfahren (ROV) für die Autobahn-Westumgehung Würzburg, das die Regierung 2011 einleiten will, aus Gründen des Arten- und Umweltschutzes für unzulässig. Kommt das ROV wie geplant, fordern Sailer und Hetzel einen öffentlichen Erörterungstermin. Sonst werde es ein zweites Stuttgart 21 oder ein zweites Wendland geben, warnen sie unter Hinweis auf die Auseinandersetzungen um den Bahnhof in Stuttgart und das in Gorleben geplante Endlager für Atommüll. „Die Zeiten, in denen sich die Bürger Großprojekte von der Exekutive mit dem bloßen Hinweis auf die formelle Legalität ohne umfassende Erörterung aufzwingen lassen, sind vorbei“, heißt es.

 

Wie viele Anhänger die UL-Führung im Fall des Falles herbeitrommeln kann, ist schwer abzuschätzen. Zu früheren Kundgebungen für den Tierschutz kamen meist einige hundert Teilnehmer. Nicht vorherzusagen, ob und wie die Bevölkerung aus umliegenden Gemeinden die „Christusfreunde“ bei Aktionen unterstützen würde.

 

Beim UL bekennt man sich zur Friedensbotschaft der Bergpredigt, die kämpferische Rhetorik überrascht dennoch nicht. Auf dem Hofgut soll UL-Prophetin Gabriele Wittek leben, es bildet das Zentrum des so genannten „Friedensreiches“. Hier sei „heiliges Land“, schreiben Sailer und Hetzel, hier werde „die Einheit von Mensch, Natur und Tieren im Sinne der Verheißung Jesajas ins Werk gesetzt“.

 

Seit 1990 bewirtschaften „Christusfreunde“ das Hofgut. Sie haben im Laufe der Jahre ringsum immer mehr Land gekauft – aktuell gehören ihnen geschätzt 300 Hektar. Durch Hecken, Gehölze und Weiher entstand ein weitläufiges Biotopverbundsystem, in den Hecken und Gehölzen regt sich Leben. Es kreucht und fleucht.

 

Eine einzigartige Vogel-, Fledermaus- und Schmetterlingswelt sei entstanden, schreiben die Anwälte. Eigentlich müsse das Gebiet unter Schutz gestellt werden, geht aus Gutachten hervor, die im Auftrag der „Internationalen Gabriele-Stiftung“ entstanden.

 

Von Schutz für das „einzigartige“ Gebiet ist in der Umweltverträglichkeitsstudie (UVS) nicht die Rede. Sie ist Teil der Planung für die Autobahn, und in den Augen von Sailer und Hetzel ist sie „eklatant fehlerhaft“, weil sie Flora und Fauna im „Friedensreich“ ignoriere. Außerdem zerstöre die Autobahn in vielen anderen Bereichen wertvolle Natur und habe nicht den Nutzen, den sich ihre Befürworter erhoffen. Eine planerische Missgeburt sei das.

 

Die Autobahn-Westumgehung Würzburg ist als Verbindung von der Autobahn A 7 bei Werneck und der A 3 bei Helmstadt gedacht und mit 500 Millionen Euro veranschlagt. Das Projekt ist heftig umstritten, im August sprach sich die Bevölkerung von Karlstadt (Lkr. Main-Spessart) bei einem Bürgerentscheid dagegen aus.

 

Bereitet der Verstoß aus dem „Friedensreich“ den staatlichen Planern Kopfzerbrechen? Die Regierung von Unterfranken hält sich mit einer Bewertung zurück. Man werde das Vorbringen der Anwälte sorgfältig prüfen, teilte Regierungssprecher Johannes Hardenacke lediglich mit.

 

Das Staatliche Bauamt arbeitet derzeit an den Antragsunterlagen für das ROV. Nach deren Eingang will die Regierung „die maßgeblichen Verfahren zügig und nach Maßgabe der Rechtslage durchführen“, so Hardenacke. Die naturschutzfachliche Wertigkeit des Gebietes werde dann ausführlich geprüft.

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