"Christusfreunde" wollen Video verbieten lassen
MAIN-POST vom 14. Dezember 2009
Universelles Leben gegen Landkreis Altötting
Von unserem Redaktionsmitglied Tilman Toepfer
WÜRZBURG/PASSAU Der Film des Hessischen Rundfunks (HR) sorgte 1993 in Unterfranken für Wirbel. Unter dem Titel „Das Seelenkartell – Geheime Machenschaften einer Sekte“ hatten Ulrike Bremer und Kamil Taylan einen Film über das Universelle Leben (UL) gedreht, der am 10. Dezember im Abendprogramm der ARD gesendet wurde. 16 Jahre nach seiner Ausstrahlung beschäftigt der Streifen erneut die Gerichte.
Die Gemeinschaft um die UL-Prophetin Gabriele Wittek fordert die Entfernung des 44-Minuten-Videos aus dem Fundus des Landkreis-Medienzentrums Altötting. UL-Rechtsanwalt Christian Sailer hat einem Bericht der „Passauer Neuen Presse“ (PNP) zufolge einen Eilantrag beim Verwaltungsgericht München eingereicht. Sailer argumentiert, der HR-Beitrag von 1993 sei „voller Hetze“, die Sachverhalte seien gegenstandslos und veraltet. Außerdem sei der Landkreis zu weltanschaulicher und religiöser Neutralität verpflichtet.
Der ARD-Beitrag beleuchtet unter anderem die Rolle zweier zum damaligen Zeitpunkt wichtigen Männer „hinter der Prophetin“, die im UL-Firmen- und Finanzkonzern ganz oben standen. Die beiden liefen Sturm gegen den Film, Gerichte kamen allerdings zu der Überzeugung, die von den „Christusfreunden“ beanstandeten Textpassagen seien vom Recht auf freie Meinungsäußerung und der Freiheit der Berichterstattung gedeckt.
In der Zwischenzeit gab es in der Führungsetage der Gemeinschaft Veränderungen. Das System der Ausbeutung vieler Gutgläubigen durch einige wenige funktioniere aber nach wie vor, sagen Aussteiger. Nach wie vor steht auch Gabriele Wittek an der Spitze des UL. Die heute 76-Jährige tritt nur nicht mehr öffentlich als „Sprachrohr Gottes“ in Erscheinung.
Der Landkreis Altötting wehrt sich gegen das Ansinnen der „Christusfreunde“. Bei dem HR-Video handele es sich um ein Zeitdokument, so der Altöttinger Rechtsanwalt Gerhard Michel, nicht um die persönliche Meinung des Landkreises. Im Medienzentrum gebe es kritische Beiträge auch über Franz-Josef Strauß und die katholische Kirche. Der Beitrag übers UL ist seit 2000 neun Mal von Schulen ausgeliehen worden.
Ein Urteil des Verwaltungsgerichts München wird in Kürze erwartet. Dem Vernehmen nach geht das UL wegen des HR-Beitrags auch gegen das Erzbistum Köln, die Erzdiözese München-Freising und das evangelische Dekanat Bad Windsheim vor.