Universelles Leben mit neuer Spitze
MAIN-POST vom 5. Juli 2007
Wechsel in der Führungsetage nährt Spekulationen über Strategiewechsel
Von unserem Redaktionsmitglied Tilman Toepfer
WÜRZBURG/FRANKFURT Der Trägerverein der Gemeinschaft Universelles Leben (UL) hat einen neuen Vorstand. Gert-Joachim Hetzel gehört ihm nicht mehr an. Er galt viele Jahre als rechte Hand von UL-Prophetin Gabriele Wittek, soll aber in Ungnade gefallen sein.
Der Herr will die Rotation, verkündete Gabriele Wittek ihren Anhängern. Weil die sie für Gottes Sprachrohr halten, rotieren die „Christusfreunde“. In den Betrieben des UL-Konzerns gehört der Wechsel zu einem völlig anders gearteten Arbeitsplatz zum Alltag. Andernfalls könnte „der Spannungsbogen“ abbrechen, heißt es in internen Papieren. Auch in den Chefsesseln der „Christusbetriebe“ ist der Wechsel beinahe alltäglich, zeigt ein Blick ins Handelsregister. Rotiert wird ebenso in der UL-Führungsetage, dem Trägerverein der Gemeinschaft, der nach UL-Angaben rund 500 Mitglieder hat.
Der Verein ist seit seiner Gründung in Frankfurt registriert, verwaltet wird er aus der UL-Zentrale in Würzburg, Haugerring 7. Laut Satzung verfolgt er religiöse und mildtätige Zwecke und „sammelt die positiven Kräfte dieser Welt“. Nach außen hin trat er als Kläger in unzähligen Gerichtsverfahren auf. Die Prozesse lassen meist den Versuch erkennen, staatliche Stellen in seinem Sinne zu beeinflussen oder Kritiker mundtot zu machen.
Gert-Joachim Hetzel (59) stand fast sieben Jahre an der Spitze des Vereins. Der ehemalige Richter galt innerhalb des UL als rechte Hand der Prophetin, dirigierte die UL-Kampagnen gegen Kirchen und Behörden und kanzelte interne Kritiker ab, wie Schriftstücke belegen. Seit Anfang Juni aber ist Hetzel nicht mehr im Vorstand von „Universelles Leben e.V.“
„Ein ganz normaler Vorgang in einem gesunden Verein“, sagt Christian Sailer (71) auf Anfrage. Der promovierte Jurist agiert seit vielen Jahren als Rechtsanwalt und Sprecher der Gemeinschaft. Nun ist Sailer (neben anderen) in den Vorstand des Trägervereins aufgerückt. „Es gibt immer wieder einen Wechsel beim Universellen Leben“, sagt er. Zu den Hintergründen äußert er sich nicht.
Von Aussteigern und Anhängern ist zu hören, „Bruder Gert“ (Hetzel) habe die Lehre „nicht verwirklicht“ und sei in Ungnade gefallen. Unter den „Geschwistern“ ist Hetzel gefürchtet. Er richte mehr Schäden als Gutes im UL an, heißt es in einem Brief eines ehemaligen Führungsmitglieds an Christian Sailer, der der Redaktion vorliegt.
Sailer, so wird vermutet, ist fortan der starke Mann der Gemeinschaft. Er habe sich eine gewisse Unabhängigkeit bewahrt, heißt es. Als Jurist wird er auch außerhalb des UL respektiert – nicht zuletzt wegen seiner beachtlichen Rhetorik. Ob Sailer und seine Vorstandskollegen die maßgeblich von Hetzel geprägte Konfliktstrategie gegenüber Kirchen, Jägern und Medien fortsetzt, bleibt abzuwarten. Schließlich müsse auch Sailer tun, was das „Sprachrohr Gottes“ verkündet, sagen Kenner des UL-Systems.
Urchristen suchen starke Seelen
MAIN-POST vom 7. Juli 2007
Stellungnahme zum Bericht über Verein UL
WÜRZBURG (TITO) Die Berichterstattung über Veränderungen an der Spitze des Trägervereins der Gemeinschaft Universelles Leben (UL) bleibt nicht ohne Widerspruch. In einer „Klarstellung“ äußern sich Christian Sailer und Gert-Joachim Hetzel.
Der Umstand, dass Hetzel aus dem Vorstand des Vereins ausgeschieden ist, ändere nichts daran, dass er weiterhin aktiv in der Gemeinschaft tätig sei, „auch als Jurist in der gemeinsames Kanzlei Dres. Sailer und Hetzel“. Die Spekulation, Hetzel sei in Ungnade gefallen, ist der Stellungnahme zufolge „eine Ausgeburt des Untertanengeistes aus dem Dunstkreis kirchengebundener Zeitgenossen“.
Gleiches gelte für die Vermutung, Sailer sei nun der starke Mann beim UL. Die Urchristen würden keine starken Männer suchen, heißt es, „sondern allenfalls starke Seelen, die gleichberechtigt zur Verwirklichung ihrer Ideale zusammenarbeiten“. Allerdings gebe es eine „starke Frau“ inmitten der Gemeinschaft, betonen Sailer und Hetzel. Gemeint ist Gabriele Wittek, die beim UL als Prophetin gilt.