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Christusfreunde erschweren Jagd

MAIN-POST vom 18. Mai 2006

 

Hinweis auf mögliche Todesfälle setzt Jagdbehörde unter Druck

 

Von unserem Redaktionsmitglied Tilman Toepfer

 

GREUSSENHEIM Die Verpachtung des Jagdbogens II ist am Widerstand der „Christusfreunde“ vom Universellen Leben (UL) gescheitert. Die Gemeinschaft um die als Prophetin verehrte Gabriele Wittek setzt nun die Untere Jagdbehörde unter Druck, um eine Anordnung der Jagd zu verhindern.

 

0swald Rumpel will die Möglichkeit nutzen, die ihm das Gesetz bietet. Der Leiter der Unteren Jagdbehörde am Landratsamt Würzburg ist überzeugt, dass die Wildschweine um Gut Greußenheim herum dezimiert werden müssen. Nachdem Hunderte UL-Anhänger durch ihr Abstimmungsverhalten bei der Versammlung der Jagdgenossen die Neuverpachtung des Reviers verhindert hatten, wollte er die Jagd vorläufig anordnnen. Zumindest für Teilbereiche wird das schwierig werden.

 

Denn die UL-Führung hält dagegen. Georg S., Hermann D. und Florian F., Gefolgsleute der auf dem Hofgut lebenden „Prophetin“ Gabriele Wittek, setzten 0swald Rumpel in einem Schreiben unter Druck. Das geschieht mit dem Hinweis, dass sich das Eigenjagdrevier von Gut Greußenheim durch Grundbucheintragungen fast täglich um mehrere Hektar vergrößere (siehe Stichwort). Die Christusfreunde geben damit zu verstehen, dass der Grenzverlauf zwischen den Revieren wohl noch lange unklar bleibt und das der Ausübung der Jagd entgegensteht. Vor allem dann, wenn die Christusfreunde Sympathisanten mobilisieren und mit deren Hilfe auch in der Nacht jeden verfolgen, der sich dort bewegt. Genau das kündigen die Unterzeichner an und malen schließlich den sprichwörtlichen Teufel an die Wand: „Sollte es im Zusammenhang mit schießwütigen Waffenträgern zu Zwischenfällen oder gar Todesfällen kommen, können Sie (gemeint ist Rumpel) sicher sein, dass ein solcher Fall weltweite Schlagzeilen nach sich ziehen wird und die Verantwortung dem angelastet wird, der solche Maßnahmen anordnet.“

 

Wer die Gegend kennt und die Gepflogenheiten des UL-Sicherheitsdienstes „Die Gewappneten“, kann ermessen, wie wacker einer sein muss, unter diesen Umständen das Waidwerk auszuüben. „Es wird nicht leicht sein, Leute zu finden, die dort jagen“, bekennt 0berregierungsrat Martin Kraus, der Leiter der Rechtsabteilung im Landratsamt. Kraus ist bewusst: „Wir müssen mit aller Vorsicht vorgehen.“ Auch Greußenheims Bürgermeister Bruno Scheiner mahnt zur Vorsicht und spricht von einer unangenehmen Situation, die es aber zu respektieren gelte.

 

Das Schreiben der UL-Landwirte hat also gewirkt. Der Ton ist so polemisch wie der Inhalt vereinfachend: hier die Guten, die „Naturschützer“ vom UL, die die Zehn Gebote und die Bergpredigt erfüllen, dort die Bösen, eine „Allianz von Ausmerzungs- und Tötungsbefürwortern“. Im Landratsamt ist man derlei Schwarz-Weiß-Malerei von den Strategegen des UL gewohnt. „Das wird uns keinen Zentimeter von dem abbringen, was rechtlich geboten ist“, sagt Landrat Waldemar Zorn.

 

Stichwort
Eigenjagdrevier

 

Zusammenhängende Flächen von mindestens 75 Hektar, die im Eigentum einer Person oder einer Personengemeinschaft stehen, bilden ein Eigenjagdrevier. Aus umliegenden Revieren gekaufte Flächen können dem Eigenjagdrevier eingegliedert werden, sofern nicht ein Jagdpachtvertrag Sperrwirkung entfaltet und zwischen den Flächen eine Verbindung besteht.