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"Posaune Gottes" in Pension?

MAIN-POST vom 28. Juni 2005

 

UL erklärt: Gabriele Wittek gibt Verantwortung in jüngere Hände ab

 

Von unserem Redaktionsmitglied Tilman Toepfer

 

WÜRZBURG/GREUSSENHEIM Seit Jahren lebt die Prophetin des Universellen Lebens (UL) zurückgezogen und gut bewacht auf Gut Greußenheim (Lkr. Würzburg). Nun lässt die 72-jährige Gabriele Wittek erklären, es sei an der Zeit, die Verantwortung für ihr "Werk" einigen "vor allem jüngeren Urchristen" zu übertragen.

Als "Posaune Gottes" machte Gabriele Wittek Karriere. 1975 sattelte die 1933 in Wertingen bei Augsburg geborene gelernte Buchhalterin um und wurde "Prophetin". Die von ihr in drei Jahrzehnten verkündeten angeblich "göttlichen" Gesetzmäßigkeiten haben dafür gesorgt, dass beim "Heimholungswerk Jesu Christi" und ab 1984 beim "Universellen Leben" der Glaube Berge von Geld versetzt hat.

 

Nun hat das UL im Internet eine Erklärung veröffentlicht, die 72-Jährige Wittek habe 30 Jahre unermüdlich im Dienst des Herrn gestanden und wolle die Verantwortung in die Hände einiger "vor allem jüngerer" Urchristen abgeben. Dazu habe sich auf ihren Wunsch hin ein Gremium von "gegenwärtig" 15 Personen gebildet.

 

Die Erklärung ist von exakt 15 Personen unterzeichnet. Neben eher unbekannten "Christusfreunden" sind die Namen dreier Männer aus dem Führungskreis des UL gelistet, die den Willen Witteks von jeher durchgesetzt haben: Witteks langjähriger Gefährte Harald Dohle, ihre rechte Hand Gert-Joachim Hetzel und der UL-Jurist Christian Sailer. Daraus folgern Kenner, dass das "Werkzeug Gottes" über ihre Getreuen die Fäden im Glaubens- und Wirtschaftskonzern nach wie vor fest in der Hand behalten will.

 

Der letzte Satz der Erklärung legt den Schluss nahe, dass die "Posaune" nicht verstummt, höchstens pausiert. Dort heißt es nämlich: Wittek werde ihre "unermessliche" Lebensleistung fortsetzen, "soweit sie dies für richtig hält". Ein Kenner der internen Strukturen des UL ist sich daher sicher: "Wittek kann nicht von der Macht lassen, die sie als Verkünderin ,göttlicher Gesetzmäßigkeiten' hat. Und sie braucht die Huldigungen ihrer Anhänger."

 

Personen, die einmal beim UL beteten und arbeiteten, sehen in der Erklärung ohnehin eher den Willen eines absoluten Herrschers verwirklicht als die vom UL propagierte Urdemokratie. "Die Fürstin hat ihre Nachfolger eigenmächtig bestimmt", sagt ein UL-Aussteiger.

 

Seit Monaten kursieren widersprüchliche Aussagen über die streng abgeschottete UL-Prophetin. Sie sei krank, sie lebe nicht mehr auf Gut Greußenheim, denn das Essen für sie werde nicht mehr in der "Christusklinik" in Michelrieth (Lkr. Main-Spessart) zubereitet. Sie sei "munter und quietschfidel" einem VW-Phaeton entstiegen, wollen andere gesehen haben. UL-Sprecher Dr. Christian Sailer wollte am Montag keine Stellungnahme abgeben, die über die Erklärung hinausgegangen wäre.

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