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Seltsame Kirchenkritik

Seit einigen Wochen finden sich an zahlreichen Orten Deutschlands großformatige Plakate mit Überschriften wie: "Regierung und Volk: Spart euch die Kirche!" Oder: "Das kostet die Kirche jeden Steuerzahler ... über 14 Milliarden Euro". Verantwortlich zeichnen meist Privatinitiativen wie "Spart euch die Kirche!" oder eine "Initiative Mahnmal für die Millionen Opfer der Kirche". In formaler Hinsicht handelt es sich in der Tat um private Aktionen, in der Sache sind die Plakate jedoch eindeutig dem "Universellen Leben" (UL) zuzurechnen.

Spart euch die Kirche

Das UL ist eine höchst problematische, sektenhafte Organisation: Im Mittelpunkt des UL steht die Würzburger "Prophetin" Gabriele Wittek. Sie meint, Stimmen aus anderen Welten hören zu können. Von ihren Anhängern wird Frau Wittek als "Sprachrohr Gottes", mitunter sogar als "das größte Gottesinstrument nach Jesus von Nazareth" bezeichnet. Inzwischen hat sie zahlreiche Bücher, Hörkassetten usw. veröffentlicht, auf denen die so entstandenen Mitteilungen verbreitet werden. Der Anspruch der Botschaften ist gewaltig: Frau Wittek und ihre Anhänger gehen davon aus, dass Christus durch diese "neuen Offenbarungen" spricht und frühere Offenbarungen - also die Bibel - erklärt und berichtigt. Selbst das "Vater Unser", das wichtigste Gebet der Christenheit, wurde so vom UL verändert und "aktualisiert". Zur Lehre des UL gehört ferner ein an die Vorstellung von Reinkarnation und Karma angelehntes Entsprechungsdenken. Um den Verkettungen von Ursache und Wirkung entgegen zu arbeiten, empfiehlt das UL seinen Anhängern eine "Umprogrammierung der Gehirnzellen" im Sinne einer "Reinigung von allen Prägungen dieser Welt". Mit anderen Worten: Um in die ursprüngliche Einheit mit Gott zurückzukehren, sollte der Mensch seine individuelle Persönlichkeit aufgeben - und die Lehre Gabriele Witteks verinnerlichen.


Von diesen eigenwilligen Vorstellungen haben sich in Deutschland bisher nur einige Tausend Menschen ansprechen lassen. Ein nennenswerter Zuwachs ist in jüngster Zeit nicht mehr zu beobachten. Deshalb variiert das UL seine Werbestrategie fortwährend. Man nutzt aktuelle und interessante Themen, um Menschen anzusprechen, die dann behutsam an die eigene Ideologie geführt werden. Dazu gehörten vor gut einem Jahr Plakate wie "Menschen esst uns nicht!", auf denen vier unschuldig-freundlich dreinblickende Tiere den Betrachter auffordern, kein Fleisch zu essen, oder eben die jüngsten Plakate.

Lasst uns leben!

Die Kirchen sind ohnehin eines der wichtigsten Feindbilder des UL. Mit dem zugkräftigen Slogan "Mehr Geld für den Bürger" wirbt eine angebliche "Bürgerbewegung" aus Baden-Württemberg. Vordergründig werden die direkten und indirekten Subventionen des Staates für die Kirchen kritisiert. Geworben wird jedoch mit der abenteuerlichen Verheißung, jeder Rentner könnte 410,- Euro im Jahr mehr Rente bekommen, wenn der Staat die Zahlungen für Religionsunterricht, Denkmalpflege, Militärseelsorge usw. einstellen würde.


Seit Jahren tritt die "Initiative Mahnmal für die Millionen Opfer der Kirche" immer wieder mit hasserfüllter antikirchlicher Propaganda an die Öffentlichkeit, z.B. mit sog. "Podiumsgesprächen", bei denen in der Regel der ehemalige Theologieprofessor Dr. Hubertus Mynarek als Hauptredner fungiert. Weitere Gesprächsteilnehmer sind z.T. als hochkarätige Anhänger des UL bekannt. Bei solchen Veranstaltungen, in Schriften und Broschüren wird ausdrücklich zum Kirchenaustritt aufgefordert.

Ähnlich argumentiert die neueste Zeitschrift aus dem Umfeld des UL. Sie trägt den mühseligen Titel "Das Reich der Reichen und Schönen. Das Sprachrohr der Denkenden. Bleiben Sie wachsam - Schauen und hören Sie - Treffen Sie frei Ihre Entscheidung". In der Sprache der Boulevardpresse heißt der Aufmacher "Bischöfe zocken ab!". Im Heft greift man die Sorgen vieler Menschen vor "Hartz IV" auf und polemisiert: "Wenn Pfarrer und Bischöfe ihre Gürtel enger schnallen würden, hätte der Staat mehr Geld für seine Bürger."

Übrigens: Wenn man die ganze Polemik streicht, dann bleiben nur wenige konkrete Zahlen übrig. Diese sind einem Buch von Carsten Frerk entnommen, der im Jahre 2002 über den vermeintlichen Reichtum der Kirchen berichtet hat. Das Buch ist jedoch mit Vorsicht zu genießen und hat zahlreiche handwerkliche Fehler. So werden beispielsweise die Rücklagen kirchlicher Versicherungen als Vermögen der Kirche dargestellt. Schön wär's.

Zweifellos sollten die Kirchen überlegen, wie sie der Polemik der jüngsten antikirchlichen Plakate begegnen. Sachliche Informationen über die kirchlichen Finanzverhältnisse sind sicher hilfreich. Auch Aufklärung ist nötig. Beispielsweise darüber, dass hinter großen Versprechungen oft ganz andere Absichten lauern. Ganz andere.

 

Dr. Andreas Fincke

 

UL-nahe Webseiten mit kirchenkritischen Inhalten:
Die Aktion „Spart euch die Kirche!“ ist mit einer eigenen Website im Internet präsent (http://www.kirchen-einsparen.de) und arbeitet mit der ebenfalls zum UL-Bereich zählenden „Bürgerbewegung Mehr Geld für den Bürger“ zusammen (http://www.stop-kirchensubventionen.de). In das Umfeld des UL gehören ferner http://www.theologe.de und
http://www.kirchenopfer.de und http://www.freiheit-fuer-tiere.de

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