Wie feiert die "Prophetin" ihren 70. Geburtstag?
MAIN-POST vom 7. Oktober 2003
Von unserem Redaktionsmitglied Tilman Toepfer
WÜRZBURG/GREUSSENHEIM Außerhalb der Glaubensgemeinschaft Universelles Leben (UL) existieren kaum Fotos von ihr, auch Informationen über die "Posaune Gottes" sind Mangelware. So kann nur spekuliert werden, wie Gabriele Wittek diesen Dienstag ihren 70. Geburtstag feiert.
Noch hält Wittek die Fäden fest in der Hand. Ohne "Prophetin" wäre das "System UL" seiner Führung beraubt, wissen ihre Getreuesten. Noch Mitte der 90er Jahre gab es "Jungpropheten", die plötzlich in der Versenkung verschwanden. Also ist das Rätselraten groß: Wessen Wille könnte nach Wittek Gesetz werden?
Wittek wurde als Gabriele Maden 1933 in Wertigen bei Augsburg geboren und wuchs in einer katholischen Familie auf. Nach der Heirat 1955 und der Geburt einer Tochter zieht die Familie 1967 nach Würzburg. Mitte der 70er Jahre will sie erstmals "Worte" gehört haben. Christus selbst soll ihr das Prophetenamt übertragen haben.
1975 tritt das "Heimholungswerk Jesu Christi" als Vorläufer des UL in Erscheinung. Zu den Zellen des "Christusstaates" gehören bald zahlreiche Bauernhöfe ("Gut zum Leben"), Handwerksbetriebe, Kindergärten, "Christusklinik" und Schule.
Aussteiger aus dem UL berichten von Entmündigung, Angst und Ausbeutung. Das "System UL" funktioniere so gut, weil immer wieder Menschen all ihre Energie darin investieren - Arbeit und Geld. Seit Ende 2000 ist der Aufbau eines "Friedensreiches" zentrales Anliegen. Die "Christusfreunde" haben um Gut Greußenheim (Lkr. Würzburg) Hunderte Hektar Land gekauft. Auf dem Hofgut lebt Wittek fast ausschließlich von Männern umgeben. Sie setzen das "Wort aus Prophetenmund" um - "in klingende Münze", wissen Aussteiger zu berichten.
Kritiker des UL werden von den UL-Anwälten mit Klagen überzogen. Den Medien hingegen werden Einblicke verwehrt. Das gilt vor allem, wenn es um die Person Wittek geht, die gern als "einfache (Haus)Frau" beschrieben wird. UL-Pressesprecher Dr. Christian Sailer lehnte ein Gespräch mit dieser Zeitung anlässlich des 70. Geburtstages rundweg ab.
In eigener Sache: Von Propheten und Lügen
MAIN-POST vom 11. Oktober 2003
Von Anton Sahlender
Anhänger des Universellen Lebens (UL), wie man
sie bei Marktheidenfeld und in Hettstadt bei Würzburg antrifft, erregen
Interesse. Ob Glaubensgemeinschaft, Sekte oder Unternehmensgruppe von
Christusbetrieben - das soll hier nicht diskutiert werden. Nur so viel: in
bekannte Verhaltensmuster sind sie nur schwer einzuordnen, jene Menschen, die
sich als Urchristen bezeichnen.
Auch unsere Redaktion kommt nicht am Universellen Leben vorbei. Gewohnt sind wir, dass uns redaktionelle Berichterstattungen vorwiegend Beschwerden und manchmal bitterböse Wurfsendungen in Briefkästen eintragen. Dass sie kaum einem Rechtsstreit aus dem Wege gehen, die Juristen der Urchristen, das wissen wir auch.
Verblüfft hat uns, dass gestern früh vier UL-Anhänger Flugblätter vor dem Verlagsgebäude auf dem Würzburger Heuchelhof verteilt haben, zusammen mit Naturkostbroten. Die mögen schmackhaft gewesen sein. Unverdaulich war das auf Papier Gedruckte. Unser Kollege Tilman Toepfer, der häufig über das UL berichtet, ward der Lüge bezichtigt. Warum, das lässt sich aus den weiteren unfreundlichen Unterstellungen nicht erkennen.
Es soll nicht verschwiegen werden, dass unsere Anzeigenabteilung jenen beleidigenden Text schon zuvor als Inserat abgelehnt hatte. Das UL hätte eine Menge Geld dafür bezahlt. Wir versichern aber, dass wir auch niemand anderen auf diesem Wege vergleichbaren Unterstellungen aussetzen würden.
Wir vermuten, dass unser Bericht über den 70. Geburtstag der Prophetin Gabriele Wittek erzürnt hat. Denn der Ehrentag der geistigen Führerin sollte vermutlich geheim bleiben, so geheim wie ihr Aufenthaltsort.
Nun sind aber Propheten in unseren Tagen dünn gesät, zumal solche, die man nicht nur im übertragenen Sinne so bezeichnet, etwa wegen erfolgreicher Börsenprognosen. Frau Wittek transportiert dem Vernehmen nach göttliche Offenbarungen an Menschen. Wir Menschen in der Redaktion verzichten darauf, das zu bewerten.
Festzuhalten ist aber, dass es einer Tageszeitung nicht zu nehmen ist, über ungewöhnliche Menschen zu berichten. Und dazu hat man sie gemacht, die Prophetin, die irgendwann einmal nur Ehefrau und Mutter war. Öffentliches Interesse kann nicht einmal eine Prophetin verhindern. Wichtig in freiheitlichen Staatsformen ist nämlich nicht nur, was sich in der Politik tut, sondern auch, was die Gesellschaft bewegt.
So müssen Prophetin nebst Anhängerschaft anerkennen: Auch wer sich von irdischen Sünden lossagt und sich durch seinen Lebenswandel separiert, bleibt ein Teil der Gesellschaft. Damit ist er ihren Regeln unterworfen. Das ist wahr, genauso wie die Zeilen des Kollegen Toepfer über das Universelle Leben und seine Prophetin.
In eigener Sache: Universelles Leben droht mit Gerichten
MAIN-POST vom 14. Oktober 2003
Von ANTON SAHLENDER
Am Samstag haben wir über Reaktionen des Universellen Lebens (UL) auf Berichte dieser Zeitung informiert ("Von Propheten und Lügen"). Das UL liefert nun Grund zur Fortsetzung. Man wolle "von den Gerichten klären lassen", ob wahr sei, was Tilman Toepfer, Redakteur dieser Zeitung, über das Universelle Leben schreibt. So die Reaktion aus der Glaubensgemeinschaft auf einem Flugblatt. Der Geschäftsführer des Christusbetriebs, "Gut zum Leben", der dem Universellen Leben (UL) nahe steht, zeichnet dafür verantwortlich. Den Wahrheitsgehalt der Berichte unseres Kollegen über das UL hatten wir am Samstag unterstrichen. Daran halten wir fest. Einerseits bleibt dahingestellt, wie bei Meinungen und Bewertungen lügen möglich sein soll, andererseits glauben wir, dass sich das UL lediglich über die Berichterstattung über den 70. Geburtstag der UL-Prophetin Wittek (Ausgabe 7. Oktober) geärgert hat. Die Sprecher der UL-Anhängerschaft, die sich vorwiegend in und um Marktheidenfeld sowie in Hettstadt bei Würzburg findet, mochten wohl den Ehrentag ihrer geistigen Führerin nicht der Öffentlichkeit preisgegeben wissen. Nun ist es möglich, dass er sogar zum Ausgangspunkt für ein juristisches Nachspiel wird. Bemerkenswert: Während das erste UL-Flugblatt noch vor dem Verlagsgebäude auf dem Würzburger Heuchelhof verteilt wurde, übergab man das zweite nur beim Pförtner. Ein Satz noch zur Berechtigung von Bewertungen: Am Samstag war hier auch zu lesen, dass die Juristen der Urchristen kaum einem Rechtsstreit aus dem Wege gehen.
In eigener Sache: Die universelle Wahrheit
MAIN-POST vom 16. Oktober 2003
Von ANTON SAHLENDER
Wir haben uns vorgenommen, heute ein letztes Mal zu informieren, wenn aus der Glaubensgemeinschaft Universelles Leben (UL) Flugblätter in unser Verlagshaus gebracht werden: Gestern ist es zum dritten Male geschehen. Wieder zeichnet sich der Geschäftsführer des Kredenbacher Hofes verantwortlich. Er wirft uns vor, wir hätten Angst vor der Wahrheit.
Welche Wahrheit gemeint ist oder was UL-Leute dafür halten, ist auch diesem Flugblatt nicht zu entnehmen - dafür der Vorwurf, wir müssten wissen, dass das UL weder Betriebe, noch Vermögen oder Besitz habe. Streng juristisch gesehen, mag das stimmen. Diese Besitzlosigkeit steht aber im krassen Widerspruch zu anderen Signalen. Die so genannten Christusbetriebe sind dem UL zumindest eng verbunden, so dass jetzt nicht nur der "Kredenbacher Hof", sondern auch "Das Karussell" und die Privatschule "Lern mit mir" unsere Zeitung abbestellt haben - wegen "verleumderischer" öder "unseriöser" Berichte über das UL.
Für Verknüpfungen sprechen nicht nur unverkennbare Namensschöpfungen, die zum Merkmal der UL-Nähe geworden sind. Die hingebungsvolle Anlehnung an gemeinsame Strategien und Lehren, darunter wohl die der Prophetin Gabriele Wittek, lassen ahnen, wie stark deren Anhänger und jene Betriebe verwoben sind.
Das ist ihr Recht. Wir wollen mit der Binsenweisheit, dass es schon immer mehr als eine Wahrheit gegeben hat, keiner Prophetin ins Handwerk pfuschen. Journalistisch werden wir aber weiterhin alle Blickwinkel berücksichtigen und uns unsere Meinung dazu nicht nehmen lassen. Menschen, die uns ausschließlich ihre Wahrheit aufdrängen wollten, das räumen wir ein, machen uns, die wir der Freiheit der Meinung verpflichtet sind, tatsächlich Angst.