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"Trotz besseren Wissens verbreitet Pfarrer Fragner auf seiner Homepage Zeitungsartikel, gegen die der Deutschen (sic!) Presserat eine öffentliche Rüge ausgesprochen hat", behauptete der UL-Anhänger Thomas Müller-Schöll wahrheitswidrig in einem am 18.1.04 verbreiteten Flugblatt. Eine Beschwerde gegen die beiden untenstehenden Artikel hat Herr Müller-Schöll freilich erst mit Schreiben vom 20.1.04 beim Deutschen Presserat eingereicht. Dieser hat die Beschwerde mit Schreiben vom 21.4.04 für unbegründet erklärt: Die Redaktion habe bei der Berichterstattung korrekt gearbeitet und die publizistischen Grundsätze beachtet.

 


Müller-Schöll wurde in Vaihingen suspendiert

MAIN-ECHO vom 21. August 2003 

 

Wertheim/Vaihingen. »Pädagoge Mitglied bei einer Sekte?« titelte am 21. Dezember 2001 die Stuttgarter Zeitung. Der pädagogische Leiter des Abenteuerspielplatzes in Vaihingen, Thomas Müller-Schöll, sei von seiner Aufgabe entbunden worden, heißt es in dem Artikel. Hintergrund seien protestierende Eltern gewesen, die dem Pädagogen die Mitgliedschaft in der Sekte Universelles Leben vorgeworfen hätten. Mehrere Eltern hätten mit Austritt aus dem Abenteuerspielplatz-Verein gedroht, weil sie befürchtet hätten, dass ihre Kinder Beeinflussungen ausgesetzt seien. Die Sekte bezeichnete diese Entlassung auf einer im Internet veröffentlichten Klageschrift als »Mobbing gegen einen Pädagogen«. In dem Artikel »Sektenmitglied spricht Schulen und Agenda an – SPD fürchtet Unterwanderung«, der am 28. Mai 2002 in der Stuttgarter Zeitung erschien, wird darauf eingegangen, dass Thomas Müller-Schöll in einem Schreiben an Schulen und Organisationen der lokalen Agenda 21 für das »Angebot eines kostenlosen Umweltbildungsprojektes im Rahmen schulischer Projekttage« geworben habe. Die Stuttgarter SPD-Gemeinderatsfraktion sah in den Aktivitäten Müller-Schölls den Versuch, »sowohl schulische Institutionen als auch den sozialen Bereich zu unterwandern«.

"Projekt hat nichts mit dem Universellen Leben zu tun" Aber: Verpflegung der Kinder kommt aus Christusbetrieb

Leiter des Kikuwo-Seminars Müller-Schöll: Eltern wissen von meiner UL-Nähe –
Stadt: Wir hatten vorab Kenntnis

Wertheim. »Darf jemand, der sich nach eigenen Aussagen der Sekte Universelles Leben ›verbunden fühlt‹, im Rahmen der Kinderkulturwochen des Stadtjugendrings Wertheim für Kinder von acht bis zwölf Jahren zweimal eine Woche lang täglich von 10 bis 16 Uhr ein Seminar zur Umweltbildung halten?« Mit dieser Frage traten Leser an die Wertheimer Zeitung heran.

 

Hintergrund: Der Verein »Schützer der Erde« bietet in Zusammenarbeit mit »Alberino Naturerleben & Umweltbildung« für Ferienkinder das »Modellprojekt ›Reise zum Planeten der Zukunft‹ zur Umweltbildung, Agenda 21 und Integration« auf dem Erlebnisspielplatz Leberklinge an. Die Kinder sollen laut Ankündigung dabei die Natur erleben, der Umwelt und den Tieren helfen, in der Natur spielen, sie erforschen und über offenem Feuer leckere, umweltfreundliche Mahlzeiten kochen.Finanziell gefördert wird das Projekt unter anderem vom Umweltministerium Baden-Württemberg. So weit, so gut.Der Knackpunkt: Der Leiter des Projekts ist Diplom-Pädagoge Thomas Müller-Schöll aus Esselbach, der im März in einer Gemeinderatssitzung in Esselbach bekannt hat, dass er sich der Sekte Universelles Leben (UL) »verbunden fühlt und an die urchristliche Lehre glaubt«. Diese Aussage bestätigte er am Dienstag noch einmal auf Nachfrage.

Sekten-Nähe war bekannt


Die Stadt Wertheim hatte schon bei der Vorbereitung der Kinderkulturwochen 2003 Kenntnis von der Sekten-Verbindung: »Aber nach der schriftlichen Bestätigung von Müller-Schöll darüber, dass das Seminar nichts mit dem UL zu tun hat, hat der Stadtjugendring
entschieden, das Projekt in das Programm aufzunehmen«, informierte auf Nachfrage die Leiterin der Pressestelle der Stadt Wertheim, Angela Steffan. »Außerdem wurde vereinbart, dass Herr Müller-Schöll die Eltern im Rahmen eines Elternabends im Vorfeld darüber informiert, dass er dem Universellen Leben nahe steht.«

Förderung vom Umweltministerium


»Reise zum Planeten der Zukunft« läuft in Baden-Württemberg außer in Wertheim noch in Stuttgart und wird vom Ministerium für Umwelt und Verkehr Baden-Württemberg insgesamt mit 8000 Euro gefördert. »Wenn wir über die Nähe zum Universellen Leben gewusst hätten, hätten wir noch einmal anders darüber nachgedacht«, äußerte sich auf Nachfrage ein Sprecher des Umweltministeriums. Allerdings gebe es rechtsstaatlich keine Ermessensspielräume und keine Gewissensprüfung: »Es gibt beim Thema ›Fördergelder ja oder nein‹ keine Abfrage der Religionszugehörigkeit«, so die Pressestelle. Auch bei diesem Projekt zur lokalen Agenda 21 seien die entscheidenden Fragen bezüglich Förderung gewesen: Ist die Sache umwelttechnisch interessant und ist es innovativ? Beide Voraussetzungen habe dieses Projekt erfüllt, so das Umweltministerium weiter.
»Die Eltern wissen, dass ich mit dem UL zu tun habe«, sagte Thomas Müller-Schöll am Dienstag auf Nachfrage. Allerdings habe er bei dem Elternabend auch betont, dass »weder meine Firma ›Alberino – Naturerleben Umweltbildung‹ noch der Verein ›Schützer der Erde‹ oder das Projekt selbst etwas mit dem UL zu tun haben«. Diese Aussage ist aber in so fern zu relativieren, als dass die frischen Lebensmittel aus kontrolliert biologischem Anbau, die die Kinder als Tagesprojekt-Verpflegung täglich essen, nach Aussage von Müller-Schöll zum größten Teil von der Firma ›Gut zum Leben‹ aus Kredenbach stammen. Dieser Betrieb ist der Sekte Universelles Leben zuzurechnen.

Kinder von Eltern, die dem UL nahestünden, seien in dem Wertheimer Projekt nicht dabei, beantwortet der 45-Jährige, der mit seinen Umweltprojekten laut eigener Internet-Seite unter anderem den Ehrenamtspreis des Landes Baden-Württemberg und dreimal den Umweltpreis der Stadt Stuttgart erhalten hat, eine diesbezügliche Frage.

 

Vor Wertheim in Marktheidenfeld


Vor Wertheim habe er das Projekt zwei Wochen lang in Marktheidenfeld auch im Rahmen des städtischen Ferienprogramms angeboten. Auch hier wussten Verantwortliche frühzeitig über die UL-Verbindung Bescheid. »Wie auch in Wertheim ist dort die Resonanz der Kinder ›extrem positiv‹ gewesen«, zieht der Diplom-Pädagoge Bilanz. Die Kinder hätten seinem Projekt und den einzelnen Unternehmungen in und mit der Natur durchweg eine Eins vor dem Komma gegeben, so Müller-Schöll. Heute haben die Wertheimer Ferienkinder ihren Projekt-Abschlusstag.

Susanne Pohl

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