Bürger an den Pranger gestellt
MAIN-POST vom 8. Januar 2003
Scheiner kritisiert Schilder-Aktion
Von unserer Mitarbeiterin Conny Puls
GREUSSENHEIM Wie im Mittelalter an den Pranger gestellt kommt sich Rudolf
Dürr vor. An der Straße zum Hofgut Greußenheim, das von Anhängern des
Universellen Lebens (UL) bewirtschaftet wird, hängen sechs Schilder. Darauf
prangt in dicken Lettern sein Name. Dürr wird vorgeworfen, auf sein Verlangen
habe eine junge Pappel-Allee entfernt werden müssen.
Dürr fühlt sich
durch die Aktion öffentlich diffamiert. Der Text auf den Schildern lautet:
"Liebe Besucher unseres Biotop-Verbundsystems, an dieser Stelle befand sich eine
Allee von jungen Pappeln, die von Naturfreunden aus ganz Europa gestiftet worden
waren. Dieser Abschnitt der Allee musste auf Verlangen von Herrn Rudolf Dürr
entfernt werden. Die Bäume schauten zu nahe über einige Quadratmeter
Gemeindegrund."
Im März vergangenen Jahres wurde an der Straße zum Gut
Greußenheim eine Pappel-Allee gepflanzt. Rudolf Dürr prüfte als Feldgeschworener
die Grenzsteine und stellte fest, dass die Bäume zum Teil auf gemeindlichem
Grund standen beziehungsweise die Grenzabstände nicht eingehalten wurden. "Ich
habe das bei der Gemeinde moniert, weil das meine Pflicht als Feldgeschworener
ist", sagt Dürr, der sich keiner Schuld bewusst ist. Dass er nun derart an den
Pranger gestellt wird, ärgert ihn zwar, aber von einer Unterlassungsklage sieht
er dennoch ab. "Die vom UL sind mir das Geld für einen Anwalt nicht
wert."
Grundsätzlich spreche überhaupt nichts dagegen, wenn Bäume
gepflanzt werden, so Bürgermeister Bruno Scheiner. "Einige der Bäume standen
zwar auf Gemeindegrund, doch ich habe dem Universellen Leben gesagt, dass ich
mit dem Gemeinderat darüber diskutieren werde", schildert Scheiner.
Das
UL habe ihm sogar noch vor der Sommerpause vorgeschlagen, die Pappeln der
Gemeinde zu schenken, wenn sie nur stehen bleiben könnten. Davon sei im Herbst
keine Rede mehr gewesen. Telefonisch habe ihm Rechtsanwalt Dr. Gerd-Joachim
Hetzel mitgeteilt, dass die Bäume nun entfernt werden, weil zu viel "gestänkert"
werde. "Einen Gemeinderatsbeschluss wollte das UL gar nicht mehr abwarten", so
Scheiner. Die als "Ersatz" errichteten Schilder bezeichnet der Bürgermeister als
unangemessen. Er habe das UL schriftlich aufgefordert, diese unverzüglich zu
entfernen. Eine Stellungnahme Hetzels war am gestrigen Dienstag nicht zu
bekommen.