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Tierschützer distanzieren sich vom Universellen Leben

MATERIALDIENST DER EZW, Heft 11/2002, S. 336f 

 

(Letzter Bericht: 8/2002, 251f)

 

Seit einiger Zeit engagiert sich das Universelle Leben (UL) verstärkt in der sog. "Tierrechtsbewegung", also Initiativen, die sich in besonderer Weise dem Tierschutz, dem Vegetarismus bzw. Veganismus oder auch der Abschaffung der Jagd verschrieben haben (vgl. MD 12/2001, 415ff u. 1/2002, 29). Vorläufiger Höhepunkt der Bemühungen war das Symposion "Natur ohne Jagd" am 2. August 2002 in Berlin. Eingeladen hatte die dem UL nahe stehende "Initiative zur Abschaffung der Jagd". Verabschiedet wurde auf der Konferenz ein sog. "Berliner Manifest". Zu den Erstunterzeichnern gehörten einige zentrale Personen aus dem Umfeld des UL, zum Beispiel German Murer (Herausgeber der Zeitschrift "Freiheit für Tiere" und früher Sprecher der Initiative "Ein Mahnmal für die Millionen Opfer der Kirche"), Julia Brunke (Lehrerin und Redakteurin der genannten Zeitschrift) und Christian Sailer, Jurist und UL-Pressesprecher. (Letzterer gehört zu den Erstunterzeichnern, obwohl er in Berlin gar nicht anwesend war.) Im Programmentwurf wurde Sailer als "Hauptankläger beim Internationalen Gerichtshof für Tierrechte" bezeichnet.

Da die Tierschützer eine in sich recht disparate und vielgestaltige Szene sind, hat es einige Zeit gedauert, bevor man gegenüber dem UL klar Distanz bezog. So hat Anfang September 2002 die einflussreiche und vergleichsweise streitbare Tierrechtsinitiative "Maqi - für Tierrecht, gegen Speziesismus" eine gut recherchierte und ausgesprochen interessante Broschüre über die Unterwanderungsversuche und die weltanschaulichen Hintergründe des UL unter dem Titel "Universelles Leben - Eine Gefahr für die Tierrechtsbewegung" vorgelegt (im Internet unter: http://maqi.de/txt/ul.html). Für "Maqi" steht fest, dass das UL die Tierschutzproblematik für die eigenen ideologischen Zwecke instrumentalisiert. In der 36-seitigen Broschüre haben die Autoren interessantes Material zusammengetragen, das einen Kurswechsel des UL in Sachen Vegetarismus (und so mittelbar auch zum Tierschutz) deutlich belegt. So hat Jesus Christus noch 1980 in einer vermeintlichen Kundgabe durch Gabriele Wittek gesagt: "Wenn ihr nun das Leben in Gott anstreben wollt, so entsagt nicht gleich der Nahrung von Fleisch, Fisch und dergleichen." Neun Jahre später hatte Gabriele Wittek's Christus seine Meinung jedoch geändert: "Wer unschuldiges Blut vergießt, wer Fleisch verzehrt, der ist unbarmherzig und wird an sich selbst seine Unbarmherzigkeit zu erdulden haben" (10f). Dieser Sinneswandel dürfte damit zusammenhängen, dass im UL ein Thema gesucht wurde, über das sich die eigenen weltanschaulichen Angebote besser und unauffälliger transportieren lassen. Es ist offensichtlich, dass die Tierschutzproblematik ein zugkräftiges Thema darstellt. Der Verein "Maqi" hat jedoch eindeutig Position bezogen und sich vom UL distanziert. In einer Presseerklärung schreiben die Initiatoren: "Ein Weltbild wie das des UL ist mit den Tierrechten nicht zu vereinbaren. Wer glaubwürdige Tierrechtsarbeit leisten will, muss sich von UL samt ‚Christusbetrieben' und unterwanderten Organisationen und Gruppierungen distanzieren."

Inzwischen bemüht sich auch die Partei "Mensch Umwelt Tierschutz" um Distanz zum UL, nachdem es in den letzten Monaten einige Berührungen gegeben hatte: So waren Anzeigen der Tierschutzpartei in der UL-Zeitschrift "Freiheit für Tiere" erschienen und umgekehrt hatte die Zeitschrift "Zeitenwende" Anzeigen des UL-nahen Verlages "Das Brennglas" publiziert. Es ist auch kein Geheimnis, dass einige Anhänger des UL zugleich Mitglieder in der Tierschutzpartei sind. In einer offenen E-Mail hat der Bundesvorsitzende der Tierschutzpartei erklärt, dass seine Partei "nichts mit dem UL zu tun haben will". Weiter heißt es in dem im Internet verbreiteten Schreiben: "Alle Aussagen [des UL - A.F.] in Bezug auf jüdische Mitbürger oder Juden in Israel oder sonstige irgendwo lebende jüdische Mitbürger halten wir für ausgemachten (leider auch gefährlichen) Blödsinn und Quatsch." Und: "Wenn wir ... irgendwelche Aktivitäten von UL-Anhängern zugunsten dieser Sekte in unserer Partei feststellen sollten, werden wir energisch reagieren. Darauf können Sie sich verlassen."

Einen Schönheitsfehler hat das Positionspapier des Bundesvorsitzenden der Tierschutzpartei aber dennoch: Sagt er seine eigene Meinung oder spricht er im Namen der Partei? Auf ihrer Homepage haben sich die Tierschützer vom UL bisher (21. 10. 2002) noch nicht distanziert.

Andreas Fincke