Der Bruch mit den Bruchsteinen
MAIN-POST vom 20. Oktober 2001
Besitzer erstattete Anzeige - UL-Pressesprecher: Sturm im Wasserglas
Von unserem Mitarbeiter Herbert Ehehalt
LEINACH Ohne den Eigentümer zu fragen, wurden von einem privaten Lagerplatz vier Lkw-Ladungen Bruchsteine abtransportiert. Der Besitzer der Steine hat bei der Polizei Anzeige erstattet. Die Steine wurden nach den Ermittlungen zum drei Kilometer entfernten Johannishof gebracht, der zur Glaubensgemeinschaft "Universelles Leben" gehört.
Auf seinem Grundstück an der oberen Fein, an der so genannten "Landwehr", hatte Emil Weisenberger abgeschirmt hinter einer Waldzunge einen Lagerplatz für Bruchsteine angelegt. Die dort zwischengelagerten Brocken stammen vom Abbruch eines Gebäudes. Dass alte Bruchsteine zur gärtnerischen und landschaftlichen Gestaltung begehrt sind, weiß der Leinacher Landwirt spätestens jetzt.
Ein Kollege, der in dem betreffenden Flurstück mit der Aussaat für das nächste Jahr beschäftigt war, wunderte sich ob des ungewöhnlichen Lkw-Verkehrs etwa zwei Kilometer vom Ort entfernt. Denn Baumaßnahmen waren dem Feldgeschworenen nicht bekannt. Den Spuren, die die Laster in das herbstfeuchte Erdreich gegraben hatten, folgend, gelangte er zum Grundstück von Emil Weisenberger, auf dem einstmals ein Berg alter Bruchsteine unter einem Nussbaum lagerte.
Wie die Reifenspuren weiter verrieten, war ein Großteil der Bruchsteine mittels eines Radladers auf den Lkw geladen worden.
Etwa drei Kilometer weiter entdeckte Emil Weisenberger seinen Besitz im Johannishof, den er aufgrund zweier markanter Steine leicht identifizieren konnte. Ein großer Brunnenstein aus rotem Sandstein und ein fast drei Meter hoher Eckpfeiler einer ehemaligen Hofeinfahrt lagen mitten unter den am Johannishof abgekippten Steinen.
Mindestens vier Lkw-Ladungen - schätzungsweise 15 bis 20 Kubikmeter - müssen vom Lagerplatz zum Johannishof transportiert worden sein, wie die einzelnen Steinhaufen beweisen. Der Johannishof, zwischen Leinach und Birkenfeld gelegen, wird seit Jahren von Mitgliedern der Glaubensgemeinschaft "Universelles Leben" bewirtschaftet.
Weisenberger rief die Polizei, um Anzeige wegen Diebstahls zu erstatten. Der Wert der Steine wird auf mindestens 4000 Mark geschätzt.
Zwei Beamte einer Polizeistreife sprachen die am Johannishof tätigen Arbeiter an, woher sie denn die Bruchsteine hätten. Einer der Verantwortlichen, Daniel Zopfi, gab zu Protokoll, dass man sich in der Gemeindeverwaltung nach dem Eigentümer der Steine erkundigt habe. Dort habe man die Auskunft erhalten, dass diese wohl niemanden zu gehören scheinen, da sie ja seit längerem etwas versteckt hinter einem Waldstück gelagert werden.
"Schließlich haben wir auch verschiedene Landwirte angesprochen, um uns nach dem Besitzer zu erkundigen und dabei keinen Eigentümer in Erfahrung bringen können," sagte Zopfi weiter.
Rainer Reichert, Geschäftsleiter der Gemeinde, bestätigte eine telefonische Anfrage durch Bewohner des Johannishofes. Man habe jedoch darauf aufmerksam gemacht, dass das betreffende Grundstück nicht im Besitz der Gemeinde sei und man sich an den Privatbesitzer wenden solle.
Am frühen Freitagmorgen meldeten sich Mitglieder des Universellen Lebens bei Emil Weisenberger mit der Bitte um eine gütliche Einigung und Rücknahme der Anzeige. Da bereits ein Teil der Steine verbaut wurde, wolle man nun alle auf dem Grundstück am Johannishof liegenden Steine käuflich erwerben.
Mittlerweile zieht Emil Weisenberger in Erwägung, auf das Angebot einzugehen und die Anzeige zurückzunehmen. "Bei dem Preis, den die mir genannt haben, kann man normalerweise nicht nein sagen."
Als "Sturm im Wasserglas", bezeichnete am Freitag der Pressesprecher des Universellen Lebens, Rechtsanwalt Dr. Christian Sailer, die Aufregung um die Muschelkalksteine. Die Mitarbeiter des Tierhofes, so nennt das UL den Johannishof, hätten herum gefragt und keinen Besitzer der Steine ausfindig machen können. Sailer meint, dass das Verfahren eingestellt werde. "Da fehlt doch jegliches Unrechtsbewußtsein". Für Sailer hat die Anzeige einen anderen Hintergrund: Der Leinacher Landwirt sei wegen einer Grundstücksangelegenheit sauer auf die Leute des Tierhofes.
Nach Sailers Ansicht habe der Landwirte eine Ordnungswidrigkeit begangen. Er könne doch nicht einfach am Wald einen Schutthaufen anlegen.