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Drahtige Grenzen in der Landschaft

MAIN-POST vom 14. August 2001

 

Mit Zäunen und Schranken schottet das UL sein "Reich" ab 

 

Von unserem Redaktionsmitglied Tilman Topfer


GREUSSENHEIM/HETTSTADT Der Genuss der Naturschönheiten und die Erholung in der freien Natur ist jedermann gestattet. Artikel 141 der Bayerischen Verfassung muss auch im "Friedensreich" der Glaubensgemeinschaft "Universelles Leben" gelten. Darauf pocht die Gemeinde Hettstadt (Lkr.Würzburg) und setzt sich gegen die Einzäunung ganzer Landstriche zur Wehr.

 

Rund um Gut Greußenheim sagen sich "Bruder Hase" und "Schwester Igel" Gute Nacht. Hier gilt das Wort der "Prophetin", und Gabriele Wittek sieht in den Tieren des Feldes und des Waldes "Geschwister". Mit ihren Anhängern der Glaubensgemeinschaft "Universelles Leben" (UL) will sie ein "Friedensreich für Natur und Tiere" errichten. Das soll sich in aller Stille vollziehen, formuliert es eine UL-Broschüre.

 

Mit der Stille ist es vorbei, seit UL-Anwälte Jäger aus umliegenden Gemeinden aufs Korn genommen haben. Den "hinterlistigen Beutefängern" - so der UL-Jargon - unterstellt man Wilderei und polemisiert in Zeitungsanzeigen: "Haben Jäger eine Seele?"

 

Immer neue Zäune
Behörden und vielleicht bald Gerichte müssen sich mit einer anderen Auswirkung des "Friedensreiches" herumschlagen. Anhänger von Gabriele Wittek zäunen das Gelände um das Gut weiträumig ein. "Große Sorgen" plagen Hettstadts Bürgermeister Eberhard Götz. "Wem macht es schon Spaß, überall in der Landschaft an Zäunen entlang zu laufen?" Rund 19 Hektar hatten Anhänger der Glaubensgemeinschaft vor Jahren eingezäunt, um aufzuforsten. Die Zäune werden noch mindestens drei Jahre stehen bleiben.

 

Das Landratsamt Würzburg hat der Gut Greußenheim & Co. Betriebs KG im Mai die Umzäunung weiterer 15,5 Hektar im Anschluss an die aufgeforstete Fläche genehmigt. Um nochmal 7,5 Hektar Land zogen UL-Anhänger vor zwei Wochen Maschendraht, um eine Sonderkultur anzulegen. Auf Greußenheimer Gemarkung ziehen sich immer mehr Zäune durch die Landschaft, und im Rathaus von Leinach ist dieser Tage ein Antrag auf Aufforstung eingegangen. Hier sollen mehr als zwölf Hektar Land eingezäunt werden.

 

Zusammen bilden die drahtigen Grenzen südlich und nördlich des Hofgutes einen Riegel, der Kilometer weit ein Durchkommen für Mensch und Tier unmöglich macht. Westlich und östlich der UL-Zentrale versperren Schranken den Weg.

 

Die Gemeinde Hettstadt will sich mit dieser Abriegelung der Landschaft nicht abfinden. Sie hat Widerspruch gegen die Genehmigung des Landratsamtes eingelegt. Sie trägt damit den Sorgen ihrer Bürger Rechnung, die befürchten, dass der freie Zugang zur Natur durch die expansive Glaubensgemeinschaft immer stärker eingeschränkt wird.

 

Zäune erfüllen normalerweise den Zweck, Wild von Laub und Rinde junger Bäume fernzuhalten. Rund um Gut Greußenheim ist das anders. Wenn die Bäumchen der vor Jahren aufgeforsteten Fläche kein Laub tragen, sind die Futterstellen innerhalb der Umzäunung zu sehen. "Unsere Tiere nehmen die Hilfe dankbar an", heißt es in einer Broschüre der "Gabriele-Stiftung". Oswald Rumpel, Leiter der Unteren Jagdbehörde im Landratsamt, findet "einfach pervers", dass der Zweck der Zäune ins Gegenteil verkehrt wird.

 

Kontrollen durch "Gewappnete"
Ein anderer Umstand lässt Hettstadts Bürgermeister daran glauben, dass die Betreiber von Gut Greußenheim das Gelände weiträumig abschotten wollen. "Besonders schlimm", klagt Eberhard Götz, "sind die Kontrollen durch ihren Sicherheitsdienst". So genannte "Gewappnete" sind Tag und Nacht mit Geländefahrzeugen rund um Gut Greußenheim präsent.

 

Sie stoppten im vergangenen Winter auch den Margetshöchheimer Paul Gehr, der mit seinem Hund im "Friedensreich" unterwegs war. Im Schreiben vom 8. Januar bezichtigte der UL-Anwalt Gert-Joachim Hetzel den Mann, sein Verhalten stelle einen Verstoß gegen das Jagdgesetz dar und könne mit einer Geldbuße bis zu 10 000 Mark geahndet werden. Hetzel drohte Gehr mit einer Anzeige, sollte der sich nochmal "im Jagdgebiet meines Mandanten blicken lassen".

 

Vor kurzem sollen UL-Anhänger in ihrem "Friedensreich" Schilder aufgestellt haben, die jedem "Störer" mit Bußgeld drohen. Oswald Rumpel, im Landratsamt für Jagdrecht zuständig, sieht in dem Verhalten "eine Amtsanmaßung".

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