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UL mißbraucht Diskussion um Holocaust-Mahnmal

MATERIALDIENST DER EZW, Heft 10/1999, S. 315

 

(Letzter Bericht: 1999, S. 248 f)

 

Eine "Würzburger Initiative" ruft in diesen Tagen dazu auf, ein Mahnmal für die "Millionen Opfer der Kirche" zu errichten. Das Denkmal soll "ein Zeichen des Erinnerns, des Gedenkens und der Scham" setzen, damit "Inquisition, Völkermord und die Verfolgung von Minderheiten nicht wieder geschehen können". In den Erklärungen wird der irreführende Eindruck erweckt, die Bundesregierung würde bereits über die Gestaltung des Mahnmals und einen möglichen Standort in Würzburg oder Berlin diskutieren. 

 

Sprecher und Initiator dieser "Initiative Mahnmal für die Kirchen-Opfer" ist Ralf Speis, der zum Vorstand des "Universellen Leben e.V." (UL) gehört. Das UL ist für seine kirchenkritischen bis kirchenfeindlichen Positionen bekannt. In den einschlägigen Publikationen wird immer wieder zum Kirchenaustritt ("Gott ja, Kirche nein") aufgerufen und die Schattenseiten der Kirchengeschichte werden einseitig und polemisch herausgestellt. Die massive Kirchen- und Gesellschaftskritik des UL wirkt identitätsstiftend für die "Urchristen", weil subjektiv der Eindruck entsteht, einer unterdrückten und wahrhaft reinen Gemeinschaft anzugehören. 

 

Die "Initiative Mahnmal für die Kirchen-Opfer" ist nicht nur ärgerlich, weil das UL die Diskussion um das Berliner Holocaust-Mahnmal für eigene Zwecke mißbraucht, sie ist auch moralisch höchst problematisch, weil damit die Opfer des Holocaust instrumentalisiert werden. – Im Internet ist die Initiative zu finden unter: http://www.kirchenopfer.de/wuerzburger_initiative.html. 

 

Andreas Fincke

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